Pilotprojekt

Elektronische Patientenakte wird in Franken eingeführt

15. Januar 2025 , 14:33 Uhr

Arztbriefe, Laborwerte, Röntgenbilder - diese Dokumente sollen künftig in der elektronischen Patientenakte gespeichert werden. Wie gut das funktioniert, wird sich zunächst in Franken zeigen.

80 Arztpraxen, Kliniken und Apotheken in Franken arbeiten nun testweise mit der elektronischen Patientenakte (ePA). Diese wird zunächst ab Mittwoch in den drei Modellregionen in Bayern, Hamburg und Nordrhein-Westfalen starten. Nach der Pilotphase soll die bundesweite Einführung folgen. Computerspezialisten und verschiedene Organisationen aus dem Gesundheitswesen warnen vor dem Start allerdings vor Sicherheitslücken und fordern eine bessere Aufklärung der Nutzerinnen und Nutzer.

Im Vorfeld habe man schon Unsicherheiten bei den Patientinnen und Patienten gespürt, sagte eine Sprecherin des Unternehmens Bayern Innovativ, das in einem Konsortium das Pilotprojekt in Franken umsetzt. Oft sei das auf fehlende Informationen zurückzuführen gewesen. Deshalb habe man Informationsveranstaltungen organisiert, um die Fragen der Menschen zu beantworten.

Bayerns Gesundheitsministerin Judith Gerlach (CSU) kündigte an, während der Testphase in Franken genau zu beobachten, ob alles reibungslos funktioniert. «Mängel und Probleme, die in der Testphase aufkommen, müssen der Bund und die Gematik schnell beheben», forderte Gerlach. Die Gematik ist die nationale Agentur für digitale Medizin und trägt als Bundesunternehmen die Verantwortung für die Telematikinfrastruktur im Gesundheitswesen.

Auch müsse die elektronische Patientenakte sicher sein, so Gerlach. Dies habe Bundesgesundheitsminister Karl Lauterbach (SPD) zugesagt. «Wir nehmen ihn beim Wort und in die Verantwortung!»

Das kommt in die ePA

Das Bundesgesundheitsministerium rechnet mit 70 Millionen E-Akten von gesetzlich Versicherten. Die Krankenkassen richten laut Bayern Innovativ zunächst die E-Akten der Patientinnen und Patienten in der Modellregion ein – sofern diese nicht widersprechen. Diese können ihre ePa über eine Smartphone-App ihrer Kassen verwalten. Die Krankenkasse habe aber keinen Zugriff auf die Daten, sagte die Sprecherin. 

Versicherte können Dokumente wie Arztbriefe, Laborwerte oder selbst geführte Blutdruck-Tagebücher in die Akte laden. Ärzte und Ärztinnen befüllen diese wiederum zum Beispiel mit Informationen zu aktuellen Therapien und Medikamenten. Das soll die Behandlungen besser und sicherer machen. Die Akte könne unter anderem helfen, gefährliche Wechselwirkungen zwischen Medikamenten zu vermeiden, weil dokumentiert sei, welche der Patient bereits nehme, sagte die Sprecherin. 

Zugriff auf die ePA erhalten Arztpraxen und Kliniken Bayern Innovativ zufolge, wenn die Patientinnen und Patienten ihre Versichertenkarte in das Lesegerät stecken. Über die Smartphone-App können die Versicherten Zugriffsrechte widerrufen oder selbst festlegen, welche Mediziner wie lange Einsicht bekommen sollen. Wer kein Smartphone besitze oder Probleme mit der Technik habe, könne eine Vertrauensperson benennen, die die Betreuung der ePA übernehme.

Quelle: dpa

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