Großer Polizeieinsatz in Pottenstein: Razzia gegen organisierte Kriminalität

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Razzia in Pottenstein. Es geht um Geldwäsche, Schmuggel, Einbruch: Ermittler gehen in drei Bundesländern gegen Mitglieder einer georgisch dominierten kriminellen Bande vor. Unter anderem auch hier bei uns in der Region. Heute Vormittag (26.03.) lief ein großer SEK-Einsatz vor dem griechischen Restaurant „Jamas“ in Pottenstein an der Schüttersmühle. Zuständig für den Einsatz ist das Polizeipräsidium in Stuttgart. Das bestätigt den Einsatz auf Mainwelle-Anfrage.

Auch in Baden-Württemberg und Nordrhein-Westfalen haben seit den frühen Morgenstunden Razzien gegen die organisierte Kriminalität stattgefunden. Diese Banden seien multikulturell und bestünden in Teilen aus Subkulturen, die bereits seit mehr als 120 Jahren existierten, das berichtet die dpa. Laut dem Innenminister von Baden-Württemberg, Thomas Strobl, waren über ein Dutzend Durchsuchungen geplant. Insgesamt waren 1.000 Polizeikräfte im Einsatz.

Unser Reporter hat vor Ort in Pottenstein einen Anwohner gefunden, der ihm den Ablauf der Razzia beschrieben hat.

Heute zwischen 9:30 Uhr und 10 Uhr kommt erst ein einzelnes Auto angefahren, das fährt dann bis zum Restaurant, hält dort und dann, kurz danach, rauschen 10-12 Autos von der Polizei hinterher. Teilweise in Zivil, teilweise klassische Polizeiautos. Als erstes steigt das Sondereinsatzkommando aus. Vermutlich das SEK, sie sind vermummt und schwer bewaffnet. Sie stürmen das Gebäude und kurze Zeit später kommt dann auch das USK, also die unterstützenden Einheiten dazu. Jetzt gerade läuft die Razzia immer noch. Es werden Sachen aus dem Haus getragen, es werden Sachen in das Haus getragen. Ich sehe viele Fotoapparate, immer wieder mal zeigt sich ein Beamter auf einem Balkon. Es geht wohl auch um das Nebenhaus, ein Wohnhaus neben dem Restaurant, das ebenfalls untersucht wird. Es ist ein reges Treiben, kommen und gehen, es fahren Autos auf den Hof, andere Autos fahren wieder weg. Es sind auf jeden Fall einige Polizisten noch da, die die Razzia zu Ende bringen. Wie lange das hier noch dauern wird, kann ich nicht abschätzen.

 

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+++ UPDATE DONNERSTAG 27.03.2025 +++

 

Im Laufe des heutigen Donnerstags (27.3.) wird es weitere Informationen geben. Zum Beispiel ist wohl nicht die Griechische Gaststätten-Familie selbst betroffen, sondern ein Georgier, der nur in dem Haus übernachtet hat, soll Ziel der Razzia gewesen sein. Die Polizei äußert sich dazu bisher nicht. In den nächsten Stunden wird es mehr Details geben.

 

+++ UPDATE DONNERSTAG 16:30 UHR +++

 

Neue Erkenntnisse: Mafiaboss in Pottenstein!

 

Es gibt neue Erkenntnisse zur großen Razzia in Pottenstein! Das eigentliche Ziel der Ermittlungen ist nicht der Gastwirt Andreas Mouratidis, sondern drei seiner ehemaligen Gäste. Und die sind nicht irgendwer: Bei einem der georgischen Gäste handelt es sich um den hochrangigen Verbrecherboss Revaz K.

Reporter Joshua Tsakmakidis war bei der Razzia vor Ort und hat zu diesem Thema recherchiert:

Sie kamen zu dritt. Sie waren immer freundlich und unaufällig. Gute Gäste – so beschreibt sie der Gastwirt Andreas Mouratidis. Zum ersten Mal haben sie vor ungefähr andertalb Jahren in Zimmer 4 der Schüttersmühle übernachtet. Danach immer direkt per Anruf gebucht. Bezahlt wurde pünktlich. Natürlich bar. Revaz K. hätte sich auch hin und wieder einfach so gemeldet. Dabei fällt dem Wirt die für ihn einzige Ungewöhnlichkeit auf. Der Georgier wechselt regelmäßig die Handynummer. Heute wissen wir: Revaz K. und seine Begleiter sind ranghohe Mitglieder des organisieren Verbrechens. Sie sind sogenannte „Diebe im Gesetz“. So werden die Oberhäupter verschiedener krimineller Banden aus der ehemaligen Sowjetunion genannt. Der letzte große Einbruch für den Revaz K. und seine Bande verantwortlich gemacht werden, war im letzten Sommer in Nürnberg. Zeitgleich hat er in der Schüttersmühle übernachtet.

Die unregelmäßigen Anrufe und Übernachtungen in der Schüttersmühle waren wohl der ausschlaggebende Grund für die Razzia am Mittwochmorgen. Über sechs Stunden durchsuchten die Ermittler das Gelände. Ob der Hauptbeschuldigte Revaz K. bei einer der anderen Durchsuchungen festgenommen wurde, möchte die Polizei auf Anfrage nicht bestätigen.

Revaz K., hier zu sehen auf einem älteren YouTube-Video aus einem russischen Gerichtsaal.

 

+++ UPDATE Freitag 28.03.2025 +++

 

Wirt: „Ich bin immer noch geschockt!“ – Mafiaboss in Pottenstein!

 

Können schon wieder vorsichtig lächeln, auch wenn der Schock noch tief sitzt. Familie Mouratidis eröffnet im April ihr Restaurant unter neuem Namen.

 

Das war ein großer Schock für den Pottensteiner Gastwirt Andreas Mouratidis! Am Mittwoch zieht die Polizei den 45-Jährigen aus seinem Auto und nimmt ihn und seinen Sohn fest. Gleichzeitig stürmt ein Sondereinsatzkommando sein Grundstück in Schüttersmühle. Zwei Tage später wissen wir: bei dem Einsatz ging es nicht um ihn, sondern um einen seiner Gäste. Der Georgier Revaz K. gilt als führender Kopf einer russischen Mafia-Bande die sich auf Einbrüche spezialisiert hat. In Zimmer 4 der Schüttersmühle hat er häufig mit verschiedenen Begleitern übernachtet. Gastwirt Andreas Mouratidis hatte keine Ahnung wer da bei ihm wohnt.

Ich bin schockiert, um ehrlich zu sein. Die Gäste haben von mir einmal ein Zimmer gebucht. Auf einen anderen Namen. Sie waren sehr freundlich. „Wie geht’s euch? Alles gut? Guten Tag?“ Und so weiter. Die waren immer ganz normale Menschen. Und wenn dann sowas rauskommt , dann bin ich sehr überrascht.

Schon bald sollen Restaurant und Gasthaus von Mouratidis ältestem Sohn Michail übernommen werden. Schon seit Ende November renoviert die Familie dafür schon die Räumlichkeiten. Investment: rund 35.000 Euro und sehr viel Eigenleistung. Auch deswegen ist es so wichtig für die Familie, dass klar wird, dass Revaz K. nur Gäste waren. Ob der Georgier bei einer der anderen Durchsuchungen festgenommen wurde, möchte die Polizei bisher auf Anfrage nicht bestätigen.

 

Wurden von hier die Einbrüche geplant? Besonders interessant für die Polizisten. Zimmer 4.

 

Hier haben Revaz K. und seine Begleiter geschlafen. Hauptsächlich seien sie Nachts da gewesen, erklärt der Wirt.

 

Neuer Tresen, neue Küche, neue Bänke, neue Bezüge, neuer Name! Aus dem „Jamas“ soll ab April das „Sparta“ werden.

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